Suche
nach Kursen
 Aktien
 Fonds
 Zertifikate
 Optionsscheine
 Optionen & Futures
nach Artikeln
alle Artikel
nur Analysen
nur News
als Quelle
 
WKN/ISIN/Symbol/Name

Login Depot + Forum
 
Passwort vergessen?


   
Aktuelle Kursinformationen ()
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
-   -   0 0 % /
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
-   -  
 
 
 

Plaut vom Ziel weit entfernt


15.08.2002
Bluebull

Der Grundstein für die heutige Plaut AG (WKN 918703) wurde mit der freiberuflichen Tätigkeit Hans-Georg Plauts gelegt, der im Jahre 1946 damit begann, Unternehmen bei der Einrichtung eines modernen, innerbetrieblichen Rechnungswesens zu beraten, so die Wertpapierexperten von "Bluebull".

1968 sei aus der Personengesellschaft die Plaut AG geworden. Durch Gründung mehrerer Tochterfirmen sei Plaut die kontinuierliche Expansion des Unternehmens gelungen, das bis Anfang 1992 von der Schweiz aus geführt worden sei. Nach dem Tode von Hans-Georg Plaut sei die Leitung der Beratungsgruppe nach Salzburg verlagert worden. Merve Plaut habe 1994 die Neugründung der Plaut AG in Salzburg mit einem Grundkapital von einer Million Schilling durchgeführt, das Grundkapital sei in mehreren Schritten und über mehrere Wege bis 1999 auf 18,6 Millionen Euro hochgeschraubt worden. Seit November 1999 notiere die Plaut AG am Neuen Markt in Frankfurt.

Mit dem Börsengang schienen die fetten Zeiten der Plaut AG allerdings einstweilen vorbei. Schon im Jahr 1999 habe man im Vergleich zum Vorjahr einen drastischen Rückgang beim Betriebsergebnis von 12 Millionen Euro auf gerade einmal 500.000 Euro hinnehmen müssen. Im Jahr 2000 sollte das Unternehmen laut seines Konsortiumsführers DG Bank (heute DZ Bank) beim Börsengang bis zu 25 Millionen Euro Gewinn machen.

Im August sei dann das Unternehmen schon zurückgerudert und habe von 13 Millionen Euro Gewinn und einem Umsatz von 360 Millionen Euro gesprochen. Doch auch diese Ankündigung sei nicht eingehalten worden. 290,6 Millionen Euro seien im Jahr 2000 umgesetzt worden, der Jahresüberschuss habe sich auf nur fünf Millionen Euro belaufen. Die übliche Neue-Markt-Story also: Grosse Planungen, wenig Realisierung. Gründe seien leicht zu finden gewesen: Verschiebungen bei Aufträgen habe es schon damals zuhauf gegeben.

Im Jahr 2001 seien dann auf einmal Restrukturierungsaufwendungen nötig geworden. Bereits im ersten Halbjahr habe man satte 5,6 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet, das Umsatzwachstum sei mittlerweile in die Einstelligkeit geschrumpft. Aber immerhin habe man Zuversicht verbreitet, dass die "eingeleiteten Maßnahmen zu weiteren Margensteigerungen" führen würden. Nun ja, am Ende des Jahres 2001 hätten 25 Millionen Euro Verlust in den Büchern gestanden, verbunden mit einem um immerhin drei Prozent geschrumpften Umsatz (281,8 Millionen Euro).

In Verbindung mit den Jahreszahlen für 2001 habe das Unternehmen bekannt gegeben, die Restrukturierungskosten seien das Ergebnis von TargetTen, einem Plaut-internen Programm zur Kostenreduktion, Margen- und Liquiditätsverbesserung. Ziel von TargetTen sei es, einen operativen Profit von 10 Prozent vor Steuern, Holding- und Restrukturierungskosten sowie Firmenwertabschreibungen in allen operativ tätigen Landesgesellschaften bis 2003 zu erreichen. Bei einem Umsatz von 250 bis 260 Millionen Euro solle die EBITDA-Marge auf Gruppenebene 6,0 Prozent (2002) bzw. 8,6 Prozent (2003) betragen. Das Umsatzziel werde durch die bisher guten Auftragseingänge untermauert. Das sei am 14. März 2002 gewesen.


Im ersten Halbjahr 2002 habe das Unternehmen einen Umsatz von 113 Millionen Euro erwirtschaftet. Das seien 23 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Durch eine leichte Margenverbesserung sei das Bruttoergebnis nur um 17 Prozent zurückgegangen: von 45,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nun 37,8 Millionen Euro. Das durch gesunkene Vertriebs- und Verwaltungskosten wieder deutlich positive Betriebsergebnis von über 2,2 Millionen Euro (nach 45.000 Euro im Vorjahr) werde allerdings durch Zinsaufwendungen und Währungsverluste komplett aufgefressen: Das Ergebnis vor Steuern sei mit 0,8 Millionen Euro negativ, Sondereffekte würden zu einem Jahresfehlbetrag von ziemlich genau 3,4 Millionen Euro führen. Das seien immerhin 40 Prozent weniger Verlust als noch im Vorjahr, als besagte minus 5,6 Millionen Euro in den Büchern gestanden hätten, zu Begeisterungsstürmen reiße das allerdings noch nicht hin.

Der Ergebnis-Cash-flow sei nur durch Abschreibungen positiv, beim operativen Cash-Flow finde man dann schon wieder rote Zahlen, weil der Abbau der Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung den Abbau der Forderungen deutlich überwiege. Insbesondere durch Währungseffekte sei wenigstens der Investitions-Cash-Flow positiv, im Finanzbereich fänden sich auch hier durch die Aufnahme neuer Verbindlichkeiten rote Zahlen. Der Zahlungsmittelbestand sei im ersten Halbjahr 2002 von über 25,6 Millionen Euro auf nun 16,6 Millionen Euro gesunken.

Positiv zur Bilanz sei anzumerken, dass sie weniger aufgeplustert erscheine, insbesondere weil Forderungen, die noch vor einem Jahr mehr als ein Drittel des Jahresumsatzes ausgemacht hätten, auf ein erträgliches Maß hätten reduziert werden können (zum 30. Juni 2002 noch etwa 61,2 Millionen Euro). Eine Bilanzsumme von etwa 165 Millionen Euro erscheine für das Unternehmen realistisch.

Auf der Passivseite allerdings sei wenig Begeisterndes zu finden. Zwar seien die kurzfristigen Verbindlichkeiten im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, jedoch sei dies allein auf den Abbau der Lieferverbindlichkeiten zurückzuführen. Diese seien im Jahresvergleich halbiert worden. Das gesamte Fremdkapital habe zum 30. Juni 2002 etwa 131,2 Millionen Euro betragen. Damit habe die Eigenkapitalquote bei 20,7 Prozent gelegen - Tendenz fallend. Zum 30. Juni 2001 habe sie noch bei 29,8 Prozent, zum 31. Dezember 2001 bei 22,6 Prozent gelegen. Bilanzverlust und sonstiges Gesamtergebnis würden derzeit ziemlich genau zwei Drittel der Kapitalrücklage auffressen, vor einem halben Jahr nicht einmal die Hälfte, am 30. Juni 2001 gerade einmal zehn Prozent.

Summa summarum bedeute das: Hohe Verluste, starker Liquiditätsschwund, steigende Verbindlichkeiten und schwindendes Eigenkapital. Vom Ziel, eine Unternehmensperle des Neuen Markts zu sein, sei Plaut derzeit also ziemlich weit entfernt. Von den 250 bis 260 Millionen Euro, die man in diesem Jahr an Umsätzen erlösen wollte, habe man sich auch bereits verabschiedet; vor dem Hintergrund eines absehbar schwächeren dritten Quartals sollten es nun noch 230 Millionen Euro werden. Allerdings wolle man die EBITDA-Marge deutlich über 6,0 Prozent verbessern, so dass das Ergebnis dennoch im Bereich von 15 bis 15,6 Millionen Euro zu liegen kämen. Das EBITDA sei allerdings eine Größe, die bei Plaut kaum jemanden interessiere. Hier gehe es um qualitative Gewinne, die erzielt werden müssten, und das schnell.

Ein dauerhaft positiver operativer Cash-Flow müsse her, damit mittel- und langfristig endlich die hohen Verbindlichkeiten abgebaut und in der Folge Eigenkapital geschaffen werden könne. Ein positives EBITDA bringe so lange nichts, wie es durch Sondereffekte dann doch immer wieder soweit belastet werde, dass die Kapitalrücklage weiter aufgezehrt werde. Mit etwa 36 Millionen Euro sei das Unternehmen derzeit an der Börse bewertet. Das entspreche ungefähr dem aktuellen Eigenkapital und dem Zweieinhalbfachen der flüssigen Mittel. Angesichts der Situation des Unternehmens eine absolut angemessene Bewertung, die den Risiken Rechnung trage und noch einige Hoffnungsschimmer beinhalte. Bei der Orchestrierung des Erfolgs der anderen möge man ja einigen Erfolg haben.

Beim eigenen Erfolg klappt es mit dem Konzept offenbar momentan nicht so ganz, so die Experten von "Bluebull" über die Plaut AG.




Erweiterte Funktionen
Artikel drucken Artikel drucken
Weitere Analysen & News mehr
 

Copyright 1998 - 2026 optionsscheinecheck.de, implementiert durch ARIVA.DE AG